Frankfurter Neue Presse vom 02. Juli 2007

Furioser Auftakt des 1. Limburger Orchesterfestivals

Foto vom Konzert. Foto: Braun (FNP)
Die Junge Marburger Philharmonie spielte großartig. Foto: Braun (FNP)
Limburg. Wenn es so weiter geht, wie es am Samstagabend begonnen hat, dann dürfen sich die Limburger in den kommenden zwei Wochen auf ein großartiges musikalisches Erlebnis freuen. Das 1. Limburger Orchesterfestival bietet zehn Konzerte mit anspruchsvoller sinfonischer Musik zu mehr als moderaten Preisen. Wie ist das möglich? Ganz einfach, indem man, statt Berufsorchester zu engagieren, ambitionierten Hochschulensembles ein Podium bietet. Das ist zumindest in Hessen in dieser Form einmalig und, wie man beim Eröffnungskonzert hören konnte, durchaus lohnend. Im vollbesetzten Saal der Freien Evangelischen Gemeinde Blumenrod bot die Junge Marburger Philharmonie einen furiosen Start mit romantischer und klassischer Musik unter dem Motto "Alte Welt – Neue Welt".

Zur Begrüßung intonierte ein Blechbläserensemble der Kreismusikschule, die an der Organisation des ganzen Projektes beteiligt ist, unter der Leitung von Michael Loth festliche, barocke Fanfaren und Tänze, die einen würdigen Rahmen für die kommenden Hörgenüsse bildeten. Bürgermeister Martin Richard (CDU) freute sich über das Projekt, das in Zusammenarbeit des Stadtmarketings und des Instituts Terra Incognita mit der Unterstützung von Sparda-Bank, Kreissparkasse, Sparkassenkulturstiftung und des Bauunternehmens Albert Weil auf die Beine gestellt wurde. Durchs Programm führte der Geschäftsführer von Terra Incognita, Christoph Schlott, bei dessen Moderationen weniger mehr gewesen wäre.

Die Junge Philharmonie Marburg besteht seit 1993. Überwiegend spielen hier Studenten der Uni mit. Sie haben sich der großen sinfonischen Musik verschrieben und das mit Erfolg. Auf dem Programm, das unter der Leitung des jungen Dirigenten Kiril Stankow geboten wurde, standen ausgesprochen attraktive und bekannte Werke aus Klassik und Romantik. Es ist immer ein bisschen gewagt, sich als nichtprofessionelles Orchester mit "Ohrwürmern" zu präsentieren. In diesem Fall waren etwaige Bedenken jedoch schnell aus dem Weg geräumt. Es war einfach nur eine Freude, den jungen Leuten zuzuhören. Die Qualität ihrer Vorträge war beeindruckend und in jeder Hinsicht überzeugend. Ein dramatisches Tongemälde erklang zum Auftakt. "Šárka", die dritte Sinfonische Dichtung aus "Mein Vaterland" von Friedrich Smetana, ist ein in Musik gesetztes Märchen, in dem die ganze emotionale Bandbreite von Liebe, Wehmut bis zur Raserei der Rache ausgelotet wird. Mehr noch als die beiden ersten Werke dieses Zyklus, "Vysehrad" und "Moldau", fordert sie große Gesten vom Orchester. Die Musiker folgten hier willig ihrem jungen Leiter und entfalteten ein hohes Maß an Emotionalität. Beeindruckend war auch das musikalisch-technische Niveau. Besonders der klangschöne Bläserapparat nötigte Bewunderung ab.

Ein ganz anderes Szenario bot das zweite Werk, eine der bekanntesten und beliebtesten Orchesterkompositionen von Mozart. Die Sinfonia concertante für Violine und Viola, Es-Dur, KV 364 erfordert Feinfühligkeit, Eleganz, transparentes Musizieren und im Orchester eine deutliche Differenzierung zwischen Solobegleitung und reinen Orchesterpassagen. Besonders letzteres realisierten die Marburger, nunmehr abgespeckt auf Streicher, Hörner und wenige Holzbläser, sehr eindrücklich. Mit einem gut und gerne 50-köpfigen Streicherensemble musizierten sie geradezu kammermusikalisch fein, wenn die beiden Solisten im Vordergrund standen, um dann wieder beherzt und heiter zuzupacken. Ein großes Lob gilt auch den beiden jungen Solisten Judith Krins (Violine) und Florian Richter (Viola) von der Musikhochschule in Weimar. Sie musizierten wirklich miteinander, wunderbar harmonisch und technisch perfekt und eroberten so nach wenigen Takten Aufmerksamkeit und Wohlwollen der Hörer.

Der ersehnte Höhepunkt folgte nach der Pause mit der Sinfonie Nr. 9 e-moll "Aus der Neuen Welt" von Antonín Dvořák. So schön das Werk ist mit seinen einprägsamen, oft volkstümlichen Melodien, den temperamentvollen Ecksätzen mit großem Klang und den verträumten Holzbläserpassagen im langsamen Satz, es ist mit 45 Minuten Dauer ein Kraftakt für die Musiker, besonders für Laien. Auch wenn man am Schluss hier und da geringfügige und durchaus nachvollziehbare Ermüdungserscheinungen besonders der Bläser erkennen konnte, bot die Junge Philharmonie Marburg ein großartiges Hörerlebnis voller Gefühl und Energie. Wunderschön gelang beispielsweise die Englischhorn-Passage im Andante, aber auch den Hörnern oder der Klarinette gebührt für ihre zahlreichen klangvollen Einsätze ein dickes Lob. Die Streicher betteten alles in einen warmen, runden Sound. Ein fulminanter Abschluss des Eröffnungskonzerts, der von den Hörern im voll besetzten Saal mit stehenden Ovationen bedacht wurde.

Anneke Jung


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