Frankfurter Neue Presse vom 24. Juni 2008

Romantische Klänge

Limburg. Ferienbeginn in Hessen, herrliches Sommerwetter und noch dazu ein spannendes Viertelfinalspiel der Fußball-Europameisterschaft. Drei Erklärungsversuche, weshalb die Josef-Kohlmaier-Halle beim dritten Konzert im Rahmen des Limburger Orchesterfestivals 2008 am vergangenen Samstag außergewöhnlich leer war und sogar fast mehr Mitwirkende als Publikum anzutreffen waren. Nichtsdestotrotz ließen sich die etwa 70 überwiegend aus Studenten bestehenden Mitglieder der Jungen Marburger Philharmonie unter der Leitung von Kiril Stankow nicht entmutigen und boten ein hörenswertes Konzertprogramm.

Hohe Bekanntheit genießt Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ mit den populären Arien des Max und dem Jägerchor. Doch schon die Ouvertüre, die von den Marburgern aufgeführt wurde, lässt die tiefromantische Schönheit dieser Oper erkennen und Jacques Offenbach gar behaupten, von Weber sei nur geboren worden, um dieses Stück zu komponieren. Mit ausgeprägter Dynamik und majestätischem Klang der Hörner gestaltete die vor 15 Jahren gegründete und zum zweiten Mal beim Orchesterfestival gastierende Philharmonie das Werk geheimnisvoll und vielversprechend.

Gar nicht zeitgenössisch aber dennoch mit eigenwilligem Charakter klang das 1950 geschriebene Trompetenkonzert in As-Dur des armenischen Komponisten Alexander Arutjunjan. Der in den Vereinigten Staaten geborene und seit vielen Jahren an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst lehrende Solotrompeter David Tasa konnte in der nur aus einem Satz bestehenden Komposition gleich zu Beginn sein Instrument wie eine Fanfare erschallen lassen. Im mit Dämpfer gespielten Mittelteil hatte man fast den Eindruck, als würde eine Oboe geblasen, bevor Tasa eine Schlusskadenz lupenrein intonierte.

Deutsch-Verzeichnis 944 der Werke Franz Schuberts trägt zu Recht den Titel „Große C-Dur-Sinfonie“ und stiftete in der Musikwissenschaft jahrelang Verwirrung in der Chronologie der Schubert-Sinfonien. Die Junge Marburger Philharmonie traute sich souverän an die knapp einstündige Aufführung und ließ die Festlichkeit bereits im ersten Satz „Andante“ glanzvoll erstrahlen.
Nur versteckt auffällig, jedoch sicherlich beabsichtigt ist die Ähnlichkeit eines Motivs mit dem Schlusschor „Freude, schöner Götterfunken“ aus der nur wenige Jahre zuvor entstandenen letzten Sinfonie Beethovens. Markante Pizzicati mit warmen Cello-Klängen charakterisierten den zweiten Satz, ehe sich Streicher und Bläser im dritten Satz („Scherzo“) ein rasantes Wechselspiel lieferten, das nach dem Finalsatz erneut als Zugabe erklang.

Ein schöner Konzertabend, den Moderator Christoph Schlott vom veranstaltenden Institut „Terra Incognita“ mit den Worten „die Marburger kommen 2009 wieder“ beendete.

Matthias Böhnke


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