Frankfurter Neue Presse vom 31. Januar 2012

Das macht Lust auf mehr Orchestermusik


von Anneke Jung

Limburg. Ein paar Jahre lang gab es jeweils im Januar den musikalischen Auftakt zum Limburger Orchesterfestival im Sommer. Das Orchesterfestival wird in dieser Form nicht mehr stattfinden, aber die Konzertreihe bleibt bestehen, wenn auch in etwas abgespeckter Form und unter geänderten Vorzeichen. Und ein Winterkonzert bildete wieder den Auftakt – und wie so häufig war die "Junge Marburger Philharmonie" zu Gast in der Domäne Blumenrod.

Dass diese Formation sich in Limburg mit qualitativ soliden Interpretationen hochkarätiger Orchesterliteratur einen exzellenten Ruf erarbeitet hat, konnte man am bestens gefüllten Saal der Freien Evangelischen Gemeinde sehen. Veranstalter Christoph Schlott hatte gar nicht so viele Eintrittskarten parat, wie benötigt wurden.

Die Marburger Musiker präsentierten sich unter neuer Leitung. Seit letztem Jahr steht der junge Südkoreaner Hyun-Jin Yun, der sein Dirigierstudium in Mannheim vervollkommnet, vor dem Orchester. Er ist keiner, der "fürs Publikum" dirigiert. Umso mehr können sich die Musiker auf ihn verlassen. Präzise Schlagtechnik, genaue Vorgaben, sowohl bezüglich der rein technischen als auch der emotionalen Vorstellungen, ermöglichen ein optimales Zusammenwirken der einzelnen Stimmen und Instrumente. Solche Fähigkeiten sind gerade bei einem Laienorchester – auch bei einem so ambitionierten wie den Marburgern – von unschätzbarem Wert.

Dies zeigte sich auch bei der "Tragischen Ouvertüre" d-moll, op.81 von Johannes Brahms. Das ganze Stück war geprägt von einer zwar überwiegend ruhigen, aber doch zutiefst schmerzlichen, resignativen Stimmung, die sich zunehmend steigerte. Die opulent besetzten Streichregister gefielen mit kraftvollem, zupackendem Klang. Sauber intonierende Bläser mit schönen melancholischen Kantilenen vervollständigten den Charakter des Werkes.

Edvard Griegs Klavierkonzert a-moll, op.16, gehört zu den beliebtesten seiner Gattung. Das verdankt es dem norwegischen Nationalkolorit wie in den verträumten Melodien des zweiten Satzes oder auch in den temperamentvollen Passagen des Schlusssatzes, die ein wenig an Bauerntänze erinnern.

Die junge Koreanerin Ye Na Cheon griff beherzt in die Tasten, fegte in den Ecksätzen mit Kraft und Leidenschaft übers Klavier und gestaltete wunderschöne liedhafte und zarte Melodien im Adagio. Der in diesem Werk wichtige Dialog zwischen Klavier und Orchester oder auch einzelnen Bläsern, wie dem tadellos und feinfühlig gespielten Horn, gelang ausdrucksvoll und überzeugend. Nach dem breit ausschwingenden Schluss gab es begeisterten Beifall für die junge Solistin, aber ebenso für das einfühlsame Orchester.

Mit der Sinfonie Nr.7, A-Dur, op.92 von Ludwig von Beethoven hatten sich die Musiker einen ziemlichen Brocken für den Schluss des Konzerts vorgenommen. Technisch anspruchsvoll, fitzelig im Zusammenspiel, kraftraubend und lang und bei weitem nicht so gefällig wie die beiden Romantiker im ersten Teil, stellte sie die Herausforderung des Abends für das Orchester dar. Aber man stürzte sich mit Elan und ohne nennenswerte Ermüdungserscheinungen ins – im wahrsten Sinne des Wortes – Getümmel und bot eine beeindruckende, sehr lebendige und kraftvolle Interpretation des Werkes.

Tosender Beifall und anhaltendes rhythmisches Klatschen zeigten die Zustimmung des begeisterten Publikums. Das machte Appetit auf mehr.



Zurück zu den Rezensionen

Junge Marburger Philharmonie e.V. - Kontakt