Märkische Allgemeine vom 30. Juli 2011

KONZERT: Inhaltlich erlesen und gut gespielt dazu

Überzeugendes Gastspiel der Jungen Marburger Philharmonie in der Erlöserkirche

POTSDAM / BRANDENBURGER VORSTADT - Aus dem hessichen Marburg kam die Junge Marburger Philharmonie am Donnerstag zu einem Sinfoniekonzert in die Erlöserkirche. Die alte Universitätsstadt hat keinen Mangel an guten Musikern, und so gründete sich 1993 ein Orchester mit mehr als 70 Instrumentalisten vom Oberstufenschüler bis zum Pensionär. In der Region um Marburg besitzt dieser Klangkörper eine hohe Wertschätzung, in der Region Berlin-Brandenburg hingegen gastierte der Klangkörper erstmals.

Das für Potsdam aufgelegte Programm war inhaltlich erlesen und dazu faszinierend gespielt. Wiederholt stand dem Orchester das junge Dirigenten-Talent Ingo Martin Stadtmüller vor. Mit den Meisterschülern der Weimarer Musikhochschule Liv Bartels (Bratsche) und Johannes Schultz (Klarinette) konnten auch die Solistenpulte hochkarätig besetzt werden. Die „Karelia-Suite“ op. 11 von Jean Sibelius, eröffnete den hoch interessanten Konzertabend. Sibelius führt darin eine musikalische Auseinandersetzung mit der wechselhaften Geschichte der finnischen Region Karelien. Im 1. Satz „Intermezzo“ beginnen zaghaft die Streicher. Darüber legt sich ein mehrstimmiges Leitmotiv der Hörner. In diesem Satz wird das Bild einer Winterlandschaft mit dem litauischen Herrscher Narimont im Tross seiner Soldaten bei der Steuereintreibung beschrieben. Die anschließende Ballade knüpft musikalisch an die mittelalterlichen Gesänge der Troubadoure an, im bekanntesten 3. Satz „Alla marcia“ steht die brennende Burg Wiborg nach der Eroberung durch Pontus de la Garde 1580 im Focus. Sehr viel klangintensiver wirkte das mit dem Brandenburgischen Staatsorchester im Nikolaisaal auch nicht.

Das anschließende Doppelkonzert war angetan, Bildungslücken in Sachen Musik zu schließen. Dieses Konzert für Viola und Klarinette von Max Bruch war für Potsdam eine Erstaufführung. Bruch, der bereits zu Lebzeiten durch sein 1. Violinkonzert in g-Moll legendären Ruhm erwarb, hat hier ein fast vergessenes Meisterwerk hinterlassen, das mit Melodienreichtum glänzt, doch dabei die strenge klassische dreisätzige Form beibehält. Solistisch eine bestechende Leistung auf der Viola und der Klarinette. Nach der Pause erklang Dvorák. Ausgewählt wurde die selten zu hörende Nr. 5 in F-Dur. Der sinfonische Rausch brach vereinzelt durch allzu starke Fortissimosteigerungen, da wurde die hervorragende Akustik des Kirchenraums unterschätzt. Den Gesamteindruck schmälerte das aber keineswegs: Eine gelungenes Gastspiel mit großer Sinfonik. (Von Matthias Müller)



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