Marburger Neue Zeitung vom 29. Januar 2008

Junge Philharmonie entzückt Zuhörer
270 begeisterte Zuschauer beim Konzert in Bad Endbach

Bad Endbach. "Ist das die Generalprobe? Und wie kommt das Orchester nach Bad Endbach?" Diese Fragen stellten sich am Wochenende einige Zuhörer im Bürgerhaus des beschaulichen Kneipp-Heilbades. Denn bereits nach den ersten Takten war klar: Hier zeigt die Junge Marburger Philharmonie was sie kann. Das hoch motivierte Ensemble gastierte in Bad Endbach mit Werken von Humperdinck, Tschaikowski und Brahms.

Gleich zu Beginn erlebte das Publikum eine musikalische Dynamik, die den Kursaal ausfüllte und in einen harmonischen Klangkörper verwandelte. Die 80 Instrumentalisten mit ihrem Dirigenten Kiril Stankow versetzten nicht nur den Raum in Schwingungen, sondern auch die Zuhörer in Entzücken.
Als Einstieg in das hochkarätige Abendprogramm bot das Ensemble das Vorspiel zur Oper "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck (1854-1921) dar. In der Ouvertüre deuteten die Instrumentengruppen die Märchenhandlung und die Gefühle der Geschwister an.

Höhepunkt des Sinfoniekonzerts war zweifellos das D-Dur-Konzert für Violine und Orchester von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840-1893). Hier überzeugte nicht nur das Instrumentenensemble mit seinem Leiter Stankow auf ganzer Linie. Krönung des Auftritts war die Meisterleistung der Silistin Marion Thomas, die seit November 2006 im Sinfonieorchester des Hessichen Rundfunks spielt. Während die Violinistin leidenschaftlich und souverän den Bogen über ihr Saiteninstrument gleiten ließ, lauschten die 270 Konzertbesucher fasziniert der temperantvollen Interpretation.
Tschaikowskis Werk zeigte eine Gefühlsvielfalt, die von nordischer Schwermut bis zu freudiger Erregung oder humorigem Frohmut alles bot und von Marion Thomas sowie der Philharmonie in gebührender Ausdrucksstärke umgesetzt wurde. Tosender Beifall - vor allem für die Violinsolistin - war Anerkennung für die gebotene musikalische Leitung. Dreimall musste Thomas nach vorne treten, um Applaus in Empfang zu nehmen.

Nach einer Konzertpause mit einer kleinen Einlage der Blechbläsergruppe bot die c-Moll-Symphonie op. 68 von Johannes Brahms (1833-1897) für alle Instrumentalisten die Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen. Dabei erfreuten vor allem das Zusammenspiel des Orchesters und die Leistung des Dirigenten.
Der minutenlange Schlussapplaus bewies, welch hohes Niveau die 1993 gegründete Marburger Philharmonie erreicht, die sich aus Studenten, ambitionierten Oberstufenschülern bis hin zu Pensionären zussamnsetzt.
Es war keine Generalprobe für das am Tag darauf in Marburg stattfindende Konzert, und auch kein Zufall, der das Orchester nach Bad Endbach führte. Die Junge Marburger Philharmonie gab schlichtweg zwei Konzerte, wie die Musiker versicherten. Zu wünschen wäre dem ambitionierten Ensemble für künftige Auftritte in Bad Endbach noch viel mehr - sicherlich begeisterte - Zuhörer.

(pp)


Zurück zu den Rezensionen

Junge Marburger Philharmonie e.V. - Kontakt