Oberhessische Presse vom 31. Januar 2006

Mit Gefühl, Geist und Witz das Publikum im Sturm erobert

Marburg. Am Sonntagabend passte alles zusammen: die Junge Marburger Philharmonie mit überwiegend jungen Instrumentalisten sowie viele Schüler und Studenten unter den 800 Besuchern.

Foto vom Konzert
Raymond Yong gemeinsam mit der Jungen Marburger Philharmonie. Foto: de Batselier (OP)
Mit Jean Sibelius' Valse triste, op. 44, eröffneten die rund 50 Instrumentalisten der Jungen Marburger Philharmonie unter der Leitung von Kerry Jago ihr 26. Sinfoniekonzert. Kerry Jago gelang das Kunststück, die Ernsthaftigkeit des Todes feinfühlig auszudrücken und mit der tänzerischen Leichtigkeit eines Walzers zu verbinden.

Bei Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert in d-Moll für Klavier und Orchester, KV 466, stellte sich Raymond Yong als Solist vor. Der Pianist brillierte mit technisch ausgefeiltem Spiel, ihm unterliefen allenfalls Flüchtigkeitsfehler. Yong musizierte spannungsvoller, aber auch dominanter als das Orchester, das zu brav spielte und sich zu sehr in die Begleiterrolle drängen ließ. Genau das wollte Mozart mit diesem Werk nicht: Er wollte weg von der musikalischen Mitte. Raymond Yong lehnte sich in seiner Interpretation zu nahe an Beethoven an, den beiden Ecksätzen fehlte so der wienerische Glanz und die mozartsche Leichtigkeit. Auch wenn Mozarts erstes Moll-Konzert für Klavier Beethoven besonders ansprach, auch wenn eine Seelenverwandtschaft erkennbar ist und auch wenn Beethoven für die beiden Außensätze die – stilistisch anfechtbaren – Kadenzen hierzu schrieb: Es bleibt Mozarts Klavierkonzert und darf nicht als Musik Beethovens interpretiert werden. Ganz anders die B-Dur-Romanze in der Mitte des Werkes: Sie hatte bei Yong und dem Orchester zauberhafte Leichtigkeit und Eleganz. Hier stimmte alles: die Gestaltung der Tempi als Spannungselemente, rhythmische Eleganz. Das war Mozarts Musik in ihrer ganzen Schönheit. Am Ende feierte das Publikum den Solisten, das Orchester und den Dirigenten mit stürmischem Beifall und Fußgetrampel.

Mit Felix Mendelssohn-Bartholdys 3. Sinfonie in a-Moll, op. 56, auch "Schottische Sinfonie" genannt, beschloss die Junge Marburger Philharmonie das Konzert. Auch dieses Werk dirigierte Kerry Jago, wie schon gewohnt, auswendig. So hatte er seine Musiker immer im Blick, konnte frei und losgelöst von den Noten der Partitur agieren. Das tat dem Orchester gut. Es spielte die Sinfonie zwar minimal langsamer als üblich, um die technischen Schwierigkeiten zu meistern. Dafür musizierte es aber mit Leidenschaft, Herz und Gefühl, fast durchgängig mit Präzision und Prägnanz. Während im ersten Satz manchmal die Reinheit und Transparenz des Klangs nachließ, bezauberten die beiden inneren Sätze mit ihrer Leichtigkeit, Lieblichkeit und Durchsichtigkeit. Scherzo und Adagio funkelten wie Edelsteine. Sie waren die Glanzpunkte des Abends, weil Streicher und Bläser jetzt wie aus einem Guss spielten und die Eigenheiten und Kontraste der beiden Sätze in allen Facetten ausleuchteten. Die Junge Marburger Philharmonie sprühte auch im letzten Satz vor Musizierfreude. Ihr Spiel gewann an Frische und Farbe. Mit Temperament, Gefühl, Geist und Witz eroberten die Musiker das Publikum im Sturm. Orchester und Dirigent wurden am Ende zu Recht von den Besuchern mit überschäumendem Beifall und heftigem Fußgetrampel stürmisch gefeiert, die mit der Coda des letzten Satzes als Zugabe belohnt wurden.



Zurück zu den Rezensionen

Junge Marburger Philharmonie e.V. - Kontakt