Oberhessische Presse vom 03. Juli 2007

Philharmonie

Mit schwingenden Bögen und tänzerischer Leichtigkeit

Marburg. In den fünf Monaten zwischen dem ersten und zweiten Konzert mit dem neuen Dirigenten sind die Junge Marburger Philharmonie und Kiril Stankow zu einer Einheit gewachsen.

Foto vom Konzert. Foto: Rottmann (OP)
Unter der Leitung von Kiril Stankow (Mitte) glänzten bei Mozarts Sinfonia concertante in Es-Dur Florian Richter (Viola, links) und die Geigerin Judith Krins (rechts) als Solisten. Foto: Rottmann (OP)
Das stellten das Laienorchester und sein Dirigent bei Werken von Smetana, Mozart und Dvořák unter Beweis. Schon bei Smetanas "Šárka" aus "Mein Vaterland" machten Dirigent Kiril Stankow und die Junge Marburger Philharmonie bei ihrem mittlerweile 29. Konzert alles richtig.

Das Werk dauert nur 25 Minuten [Anm. d. JMP-Red.: gemeint sind wohl "10 Minuten"; dies entspricht eher der Aufführungsdauer der JMP-Interpretation]. Viele Profiorchester degradieren es als Stück "zum Warmspielen". Dazu ließ es Stankow nicht kommen: Er forderte Ernsthaftigkeit und volle Konzentration auf das Werk, Präzision beim Racheschwur und Transparenz beim wilden Morden, melodische Spannung in den innigen Momenten wie dem listigen Hilferuf, der Liebesszene und dem Liebesgesang.

Mozarts dreisätzige Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester in Es-Dur lebte vom Dialog der beiden Solisten Judith Krins (Violine) und Florian Richter (Viola). Nach der Orchestereröffnung mit typischem Forte-Beginn und Piano-Nachsatz greift das Orchester nur selten als Tutti im Stil eines Concerto grosso ein.
Die Junge Marburger Philharmonie spielte stets aufmerksam und einfühlsam. Mit fließenden Übergängen beim Wechselspiel warfen sich die Geigerin Judith Krins und der Bratscher Florian Richter die Melodie wie Bälle zu: voller Anmut, mit Schmelz, mit Präzision, gepaart mit einer bewundernswerten spielerischen Leichtigkeit, die sich im Presto so richtig entfalten konnte.
Nicht nur das Thema, sondern der ganze Mittelsatz blühte im Wechselspiel der beiden Solisten auf. Ihnen gelangen innige Frage- und Antwortspiele mit schwingend-federndem Takt, weichem Ton, verträumter Melodik, zarten Klangverschmelzungen – auch mit dem dezent agierenden Orchester. Dafür gab es prasselnden Applaus mit Fußgetrampel für Solisten, Dirigenten und Orchester.

Zum Abschluss erklang Dvořáks neunte Sinfonie in e-Moll mit dem Beinamen "Aus der Neuen Welt", die der Komponist 1893 in New York komponierte. Schon im ersten Satz aus Adagio und Allegro molto begeisterte der ungewöhnlich transparente Orchesterklang der Jungen Marburger Philharmonie, der selbst in den Tutti-Passagen durchsichtig blieb.
Gänsehautgefühl gab es beim Largo, als Annette Himmelmann auf dem Englischhorn mit großem Einfühlungsvermögen das Thema intonierte: wundervoll dahinströmender Largogesang. Hinzu kamen herrlich zarter Streicherklang, klasse Blechbläser mit zarten Pianos, feierlicher Gesang der Holzbläser und tiefe, pochende Streicher mit weichem Klang.
Das Scherzo hatte rhythmische Präzision und Prägnanz mit mustergültigen Wechseln und Übergängen, in die Dvorak seine sangliche Melodik und die tänzerischen Elemente kontrastierend einbettete.
Im imposanten Schlusssatz mit energischem Hauptthema mit Marschcharakter zitiert Dvořák alle bisherigen Themen, die das Orchester mit Liebe zum Detail aufleuchten ließ. Auch bei diesem Werk dirigierte Kiril Stankow auswendig, klar, präzise, (auch körperlich) schlank und beweglich. In den Piano-Passagen führte er eng und unauffällig, bei den Tutti weiter, mit schwingenden Bögen und tänzerischer Leichtigkeit nicht nur bei den Dreiviertel-Takten. Zum Schluss gab es stürmischen Applaus mit Fußgetrampel, der sich für Annette Himmelmann und Dirigent Kiril Stankow noch verstärkte.

Helmut Rottmann


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