Oberhessische Presse vom 24. Juni 2008

Spielfreude und Elan machen Sinfonie zum Hörerlebnis
Junge Marburger Philharmonie spielte vor 350 Besuchern in der Pfarrkirche

Marburg. Die Junge Marburger Philharmonie zeigte sich am Sonntag von ihrer besten Seite: Engagiert, einfühlsam, spielfreudig, mit guten Instrumentengruppen, transparentem Orchesterklang sowie mit bewundernswerter Kondition und Konzentration.

Foto vom Konzert. Foto: Helmut Rottmann (OP)
Kiril Stankow dirigierte die Junge Marburger Philharmonie am Sonntag in der Pfarrkirche sehr sympathisch und souverän. (Foto: Helmut Rottmann (OP))
Mit Webers Vorspiel zur Oper „Der Freischütz“ eröffneten die rund 70 Instrumentalisten der Jungen Marburger Philharmonie unter Kiril Stankow das Konzert. Einschmeichelnde Hörnerklänge, anfangs im Ansatz noch unsicher, über spannungsvolle Crescendos der Streicher zu sattem Orchesterklang mit Holzbläsereinwürfen: Stimmungsbilder voller Klarheit, in der nur die Streicher bei schnellen Läufen an Prägnanz verloren.

Voller Empfindsamkeit spielten Professor David Tasa auf der B-Trompete mit Dämpfer und die Junge Marburger Philharmonie die elegisch-langsamen Passagen von Arutjunjans Trompetenkonzert in As-Dur. Schwierige Intervalle, schnelle Läufe, dynamische Wechsel und kurzwendige Modulationen meisterte David Tasa mit Virtuosität und Routine. Der fugierte Schluss hatte Kraft und Feuer mit tollen Bläsereinwürfen. Am Ende gab es stürmischen Applaus mit Fußgetrampel für Professor Tasa und das Orchester.

Was folgte, war knapp 60 Minuten lang begeisternde Orchestermusik: Schon mit dem einleitenden Andante von Schuberts großer C-Dur-Sinfonie zog die Junge Marburger Philharmonie die Besucher in Bann. Auch wenn der Weckruf in den Hörnern noch etwas unsicher war und anfangs die Tempi schwankten: Der Holzbläserchoral war feierlich. Mächtig klang der von den Posaunen angeführte Orchestersatz mit figurativen Streichertriolen. Das erste Allegro glänzte als Einheit aus vielen Details: Marschmotovik, in Vierteltriolen gestoßene Bläserakkorde, sich in der Intonation wandelndes Seitenthema, dissonierende Akkordballungen, Pizzikati und überraschende Harmoniewechsel im Labyrinth des Quintenzirkels.
Im zweiten Satz präsentierten sich die Themen schlank und sanglich in lichtem Streicher- und Bläserklang - erst in den Oboen, später die Fagotte. Spielfreude und jugendlicher Elan, dazu Akkuratesse in Tempi und Dynamik machten die Sinfonie zum Hörerlebnis.
Der dritte Satz, eines der monumentalsten Scherzi der klassischen Sinfonie, hatte spielerische Leichtigkeit und tänzerische Beweglichkeit. In den Violinen ging manches Detail unter. Im Tutti verblassten die in Terzen geführten Kantilenen der Holzbläser. Stark spielten die tiefen Streicher.
Die Junge Marburger Philharmonie stürmte in Schuberts mächtigstem Finale engagiert dem Schluss entgegen. Auch wenn dabei der rhyhthmische Kontrast zwischen Punktierung und Triole litt: der zarte Terzen- und Sextengang von Oboen, Klarinetten und Fagotten über federndem Kavalkadenrhythmus der Streicher war himmlisch. Das Unisono mit druckvollem Spiel von Hörnern, Posaunen und Bässen führte mit Macht über den Kanon zum Schluss. Dafür gab es vom Publikum stürmischen Applaus mit Fußgetrampel und einzelnen Bravos, wofür sich das Orchester und Dirigent Stankow mit dem Scherzo als zugabe bedankten.

Kiril Stankow dirigierte meist eng, immer klar und schnörkellos. Er führte dezent mit großer Variation an Gesten der linken Hand und den Fingern sowie durch seine Körpersprache. Er gewährte dem Orchester lange Zügel, die er bei Bedarf fest in die Hand nahm. Er war ein sympathischer Souverän, der mit Geschick und spürbarer Freude das Orchester zu Höchstform führte.

Helmut Rottmann


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