Oberhessische Presse vom 04. Februar 2009

Cellist strahlt Ruhe und Gelassenheit aus
700 Zuhörer erlebten die Junge Marburger Philharmonie in der Stadthalle · Hervorragende Solisten

Mit Leidenschaft und Spielfreunde präsentierte die Junge Marburger Philharmonie am Sonntagabend Werke von Brahms und Tschaikowsky vor 700 begeisterten Zuhörern in der Stadthalle.

Marburg. Mit stürmischem, minutenlangen Applaus dankte das Publikum am Ende den fast 70 Musikern für die bewegende und teilweise mitreißende Vorstellung. Es brachte den strahlenden Dirigenten Kiril Stankow dazu, als Zugabe noch einmal einen marschartigen Teil aus dem 3. Satz von Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 "Pathétique" spielen zu lassen, die gerade verklungen war.
Die richtige Wahl, denn damit wurde die schwermütige Stimmung des auf den Abschied vom Leben verweisenden Finales aufgehoben und die 700 Zuhörer nicht mit dieser Empfindung in die Nacht entlassen. Ohnehin schien das Allegro molto diese am stärksten beeindruckt zu haben, bei dem die Musiker das wirkungsvoll ineinander verschachtelte Gefüge aus Scherzo und schmissigem schnellen Marsch voller Spielfreude und - besonders die Bläser - mit gewaltiger Dynamik umsetzten. Florian Jäkel, der die Pauke zu präzisem Einsatz brachte, erhielt am Ende sogar einen Sonderapplaus vom Publikum.

"Das sind ja keine Berufsmusiker, ich finde, man hört, dass die mit Enthusiasmus dabei sind" beschrieb eine Besucherin nach der Zugabe ihren Eindruck.

Darüber sollten die subtilen ersten beiden Sätze nicht in Vergessenheit geraten. Mit leidenschaftlichem Vortrag gestalteten Bratschen, Holzbläser und Violinen den packenden ersten Satz. Das Tänzerische des zweiten Satzes wurde gut herausgearbeitet, ebenso die kleinen Melodien, Variationen des Hauptthemas und Nebenmotive. Lediglich manchmal agierten die Blechbläser etwas zu heftig und überdeckten einige feine Pizzicati.

Den Abend eröffnet hatte Johannes Brahms' Konzert für Violine und Violoncello a-Moll, op. 102. Für dieses selten aufgeführte Werk, das die Junge Marburger Philharmonie bereits zum zweiten Mal nach 2000 ins Programm aufnahm, konnnten die hervorragenden jungen Solisten Judith Eisenhofer (Violine) und Arthur Hornig (Cello) gewonnen werden. Eisenhofer, 1984 in Regensburg geboren, seit September Konzertmeisterin der zweiten Violinen an der komischen Oper Berlin, trat schon mehrmals mit dem Marburger Orchester auf. Hornig, Jahrgang 1987, war bereits mit zehn Jahren Jungstudent an den Berliner Musikhochschulen.

Hornig beeindruckte damit, dass er sehr große Ruhe und Gelassenheit ausstrahlte, von der Sicherheit seines Spiels und den warmen, weichen Klängen, die seinem Instrument entströmten, ganz zu schweigen. Eisenhofer erschien dagegen etwas nervös, aber das trübte ihr klares Spiel nicht. Ständig hielten die beiden Blickkontakt miteinander und mit Stankow, der ruhig und elegant, mit fließenden Hand- und Fingerbewegungen dirigierte und die Einsätze beider und des für dieses Werk etwas verkleinerten Orchesters exakt aufeinander abstimmte.
Im Wechsel führten und begleiteten die beiden Solisten einander und fügten sich an den Stellen, an denen das Miteinander mit dem weich und harmonisch interagierenden Orchester gefragt war, dezent ein, versprühten aber auch ihr virtuoses Können vor allem in den Soli des dritten Satzes und wurden vom Publikum gebührend gefeiert.
Manfred Schubert


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