Oberhessische Presse vom 30. Juni 2010

Beethoven, Strauss und eine Vuvuzela

Konzert in der Pfarrkirche: Kiril Stankow dirigierte zum letzten Mal die „Junge Marburger Philharmonie“

Tschaikowskys fünfte Sinfonie stand am Sonntag im Zentrum des 35. Sinfoniekonzerts der „Junge Marburger Philharmonie“ in der Lutherischen Pfarrkirche

von Dr. Justus Noll

Marburg.  Spätfolge des Fußballspiels Deutschland-England am selben Tag: in den begeisterten Beifall für Tschaikowskys fünfte Sinfonie und die großartige Leistung der „Jungen Marburger Philharmonie“ mischten sich einige schüchterne Vuvuzela-Stöße.

Das Orchester spielte die vom Komponisten stark auftrumpfend angelgete überlange Schluss-Steigerung auch als Zugabe. Man muss ich aber die Frage stellen, ob für ei solch großes sinfonisches Werk die Pfarrkirche mit ihrer Über-Akustik, in der bei Forte-Stellen alle Feinheiten verschwinden, der richtige Ort ist.

Für die langsamen Sätze wie den zweiten Satz von Richard Strauss' Oboenkonzert war die Akustik jedoch nicht von Nachteil. Selten hat man das Spätwerk des Meisters so tonschön, virtuos und klangvoll gehört wie von Solistin Elisabeth Grümmer. Die aus Rostock stammende und in Weimar Studierende interpretierte die merkwürdig ruhelosen und doch abgeklärten musikalischen Gedanken des alten Strauss mit souveräner Gestaltungskraft, gekonnt begleitet von der „Jungen Marburger Philharmonie“ unter Kriril Stankow, der an diesem Abend das und 80 Mitglieder zählende Orchester ein letztes Mal dirigierte.

Tschaikowskys Sinfonie Nr.5 in e-moll op.64 ist ein publikumswirksames und gut zu hörendes Werk. Seine vier Sätze werden durch einen einheitlichen thematischen Gedanken verbunden, einen Trauermarsch, der in Moll beginnt und sich am Ende in triumphales Dur verwandelt.

Diril STanow gelangt es diese Entwocklung nuancenreich und spannend umzusetzen. Vom geheimnisvoll-düsteren Beginn über die freien Kantilenen des langsamen Stzes und das maßvolle Walzer-Scherzo bis zum fast gewalttätigen Ende erreichte er einen überzeugenden großen sinfonischen Bogen. Auch Beethovens Fidelio-Ouvertüre, die das Konzert in der vollbesetzen Pfarrkirche einleitete, gewann durch Stankows temperamentvolles Dirigieren Zugkraft und Plastizität



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