Oberhessische Presse vom 24. Oktober 2011

Publikum mit leichtem Ton bezaubert

Erstaunlich, welche Ensemble-Vielfalt in der Jungen Marburger Philharmonie steckt. Respekt, eigenständig 110 Minuten Musik einzustudieren. Gratulation, mit welcher Freude und Qualität musiziert wurde.

von Helmut Rottmann

Marburg. Das war ein vergnüglicher Samstagabend voll schöner Musik von sieben Ensembles der Jungen Marburger Philharmonie. Was vor einen Jahr für ein Benefizkonzert aus der Taufe gehoben wurde, fand jetzt seine Fortsetzung und sollte nach diesem farbigen Konzert zu einer festen Einrichtung werden.

Was andernorts schwierig ist, bereitet in Marburg durch die freundschaftliche Verbundenheiten von Junger Marburger Philharmonie und Studenten-Sinfonieorchester Marburg keine Probleme: Bei Ewalds Quintett b-Moll op. 5 zum Konzertauftakt musizierten fünf Blechbläser aus beiden Orchestern harmonisch zusammen.

Die Allegros aus Bouffils Klarinettentrios op. 7 Nr.1 und op. 8 Nr. 1 musizierten drei Holzbläser voller Lieblichkeit im Ton und Leichtigkeit im Klang. Ihnen gelang ein einfühlsames liedhaftes Schwelgen bis hin zu mitreißenden Läufen und Parallelen. Das war ein freudiges Musizieren in leichtem Ton.

Im Prelude von Tcherepnins Trio für drei Flöten op. 59 schufen die Flötistinnen ein zartes Tongemälde mit Klängen aus der Heimat von Tcherepnins chinesischer Frau.

Aus Mozarts Klarinettenquintett A-Dur KV 581 erklangen die beiden letzten Sätze. Das Menuetto begeisterte im Spiel von Klarinette, zwei Violinen, einer Bratsche und einem Cello in seiner Lieblichkeit, der Zartheit des Tons und der tänzerischen Eleganz. Feinsinniges Streicherspiel krönte die Klarinette mit weichem Ton. Die fünf Musiker sprühten bei den thematischen Abwandlungen des Allegretto con Variationi vor Spielfreude.

Die Überraschung des Abends war der Chor Halb Acht: Je fünf Sängerinnen und Sänger mit bezaubernden Stimmen in jugendlicher Schlankheit und Frische wandelten stilsicher von der Romantik über Chanson und Folksong hin zu Barbershop-Gesang, Gospels und Street Corner Music, mitreißend vorgetragen. Die kleinen Unsicherheiten ließen sich zum Teil vermeiden, wenn immer ein Mitglied für ein Lied oder einer für alle Songs Führungskompetenz übernimmt.

Aus Brahms’ Sextett für je zwei Violinen, Violen und Celli erklangen die beiden mittleren Sätze. Die vier Frauen und zwei Männer verliehen dem Andante vollen und warmen Klang mit bisweilen dominierender Geige, in dem die tiefen Streicher mit fein strukturiertem und konturiertem Spiel auf sich aufmerksam machten.

D’Indys Divertissement pour instruments à vent op. 50 hatte sich ein vorzügliches Bläserseptett ausgewählt. Es kostete in „Chansons“ gefühlvoll Klangmalereien mit liedhaften Elementen sowie weiches Gleiten durch Harmonien aus.

Mit erstaunlicher Präzision rhythmischer und harmonischer Elemente formten die sieben Musikerinnen fast hymnische Gesänge in tonaler Reinheit.

Das Publikum bedankte sich minutenlang mit kräftigem Applaus bei den über 30 Instrumentalisten und Vokalisten, die zum Teil in mehreren Gruppierungen mitwirkten.



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