Oberhessische Presse vom 04. Juli 2012


Dialog zwischen Geige und Orchester

Junge Marburger Philharmonie begeistert ihr Publikum in der Lutherischen Pfarrkirche

Das Programm der Jungen Marburger Philharmonie bot Höhepunkte der Konzertliteratur.
500 Zuschauer genossen dementsprechend ein Konzert auf hohem Niveau und mit einer Zugabe, die etwas ganz besonderes war.

Von Mareike Bader

Mussorgskys „Nacht auf dem kahlen Berge“, Mendelssohn-Bartholdys Violinkonzert in e-Moll und die 4. Sinfonie von Robert Schumann – das sind wirkliche Konzert-Klassiker. Die Pfarrkirche schien wie geschaffen für die Musiker der Jungen Marburger Philharmonie.

Bei Mendelssohns Violinkonzert mit der Solistin Hiroko Tominago begeisterte der wunderschön deutliche Unterschied zwischen dem warmen und vollen Klang des Orchesters und dem hellen, klaren Spiel der Solistin. Gerade bei den hohen Tönen überzeugte sie mit ihrem sicheren Spiel. Ihrer zarten Figur und den feinen Fingern hätte man im ersten Moment das kraftvolle Spiel und die tolle Technik kaum zugetraut. Aber sie meisterte sowohl die schnellen Arpeggien im ersten Satz, als auch die Tonläufe im dritten Satz wirklich fabelhaft. Das Orchester stellte einen Dialogpartner auf Augenhöhe dar und sorgte bei einigen Tutti-Einsätzen für Gänsehaut. Als Zugabe bedankte sich die Violinistin für den kräftigen Applaus mit einem Capriccio von Fritz Kreisler, bei dem sie noch kräftiger in die Saiten griff und auf dem gesamten Griffbrett entlang Fingerfertigkeit bewies.

Auch zuvor bei Mussorgskys poetischer Dichtung beeindruckten die Musiker des Orchesters mit einem tollen Gefühl für die Lautstärke. Im feinen und präzisen Spiel stellten sich hier die surrenden Streicher den imposanten Bläsern entgegen, deren tiefe Töne ganz schön unter die Haut gingen. Der Dirigent Hyun- Jin Yun, seit dem Wintersemester 2011/12 in Marburg, leitete sein Orchester mit viel Engagement und gutem Überblick. Die schönen Melodien und eindrücklichen Motive machten deutlich, warum die Musik des russischen Komponisten so beliebt ist.

Nach der Pause erklang Robert Schumanns 4. Sinfonie, die chronologisch gesehen jedoch seine zweite ist. Hier wusste das Orchester wunderbar mit den unterschiedlichen Charakteren der verschiedenen Sätze umzugehen und sie entsprechend umzusetzen. Den zweiten Satz, der als „Romanze“ betitelt ist, spielten die Musiker durch die zupfenden Streicher in Kombination mit der hervortretenden Oboe sehr liebevoll und erzeugten damit eine tolle Atmosphäre. Der dritte Satz als Scherzo wurde dagegen so lebhaft, kräftig und beschwingt umgesetzt, dass man fast versucht war, mitzutanzen. Auch die einzelnen Bestandteile der Sätze waren sehr gut herausgearbeitet. Nach dem eindrucksvollen Finale erntete das Orchester ungewöhnlich starken Beifall von den Zuhörern, die die ganze Zeit gebannt gelauscht hatten. Das bunt gemischte Publikum trampelte teilweise so kräftig, dass die Kirchenbänke richtig mit vibrierten. Johannes Brahms´ „ungarischer Tanz Nr.6“ als Zugabe war dann das Tüpfelchen auf dem i. So viel Spielfreude zu erleben war wirklich herrlich und der passende Höhepunkt des wundervollen Sinfoniekonzerts.

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