Oberhessische Presse vom 29. Januar 2013

Allen Grund zu feiern

Strawinsky, Herbert und Tschaikowski ergaben ein abwechslungsreiches Programm - und begeisterten am Sonntag die jubelnde Menge in der gut gefüllten Stadthalle.

von Daphne Flieger

Unter der Leitung von Martin Gärtner begeisterte die Junge Marburger Philharmonie mit Werken von Strawinsky, Tschaikowski und Victor Herbert.

Marburg. Mit der Auswahl der Werke zeigte sich das Orchester von unterschiedlichen Seiten -
allesamt sehr hörenswert. Von Klassik bis Neoklassizismus. „Zu Beginn der Probezeit haben wir
wie üblich abgestimmt was gespielt wird“, erklärte Rebecca Pfister die demokratische Auswahl
des Programms. Die Musikstudentin spielt seit einem Jahr Violine beim Marburger Orchester,
das in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen feiert.

Mit Igor Strawinskys neoklassizistischen „4 Norwegischen Impressionen“ als Einstieg erwies sich
das Orchester als wendiger Klangkörper. Dirigent Martin Gärtner führte die Musiker sicher durch
die stark rhythmisierenden Passagen. Ursprünglich komponierte Strawinsky die Impressionen
für einen Film. Doch es war nicht das einzige Stück, das an diesem Abend nach Filmmusik klang.
Phänomenal einfühlsam spielte der Solist Jorin Jorden das „Concert für Violoncello Nr. 2 in e-Moll,
op. 30“ von Victor Herbert. Besonders gefühlvoll war das Zusammenspiel beim 2. Satz „Lento“.
Von der Eleganz des Cello-Spiels ließ sich das Orchester anstecken, es steigerte sich sogar dabei.
Die Melodie griffen mehrere Instrumente auf, dezent umwoben die Streicher die Hauptmelodie.
Beim „Allegro“ offenbarte Jorden das breite Klangspektrum seines Instruments.
In der hohen Lage klang sein Spiel metallisch, der Cellist meisterte die delikate Stelle mit Bravour.

Nach der Pause erwartete die Zuhörer ein besonderes Glanzstück:
Tschaikowskis „Sinfonie Nr. 1 in g-Moll, op. 13“ mit dem zutreffenden Titel „Winterträume“.
Auch wenn es vor der Tür der Stadthalle schon langsam begann zu tauen,
die Stimmung des Werks frischte die winterliche Stimmung noch einmal auf.
„Land der Öde, Land der Nebel“ überschrieb der Komponist den zweiten Satz.
Zwischen Dur und Moll changierte der Grundcharakter und diese Schwebe konnte man richtig fühlen,
bevor es im letzten Satz mit den volksliedhaften Zügen ausdrucksgeladen endete.

Ein glanzvoller Abend, der den Jubel verdiente.



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