Oberhessische Presse vom 28. Januar 2015

Marburg

Kraftvoll endete der letzte Satz von Jean Sibelius‘ erster Sinfonie, um mit einzelnen, präzisen Zupfern der Streicher zu schließen. Die Bezeichnung des Satzes, „una fantasia“, setzte die JMP mit warmem, sattem Klang gelungen um. Auch zuvor im Scherzo, bestach das Laien-Orchester mit sehr präzisen Einsätzen der Musiker.

Die genaue Probenarbeit des jungen Marburger Dirigenten Lukas Rommelspacher, der seit dem Sommersemester 2014 die JMP leitet, hatte sich gelohnt. Wunderbar betteten die rund 80 Musiker bei der Sibelius-Sinfonie die Harfenistin Silvia Schäfer ein, die auch vergangenen Dezember bei den Stadtallendorfer Adventskonzerten überzeugte. So kam der schöne Klang der Harfe nicht nur bei leisen Passagen wunderbar zur Geltung.

Untertreibung eines „Sonntagskomponisten“
Mit leisen Tönen begann auch das Semesterabschlusskonzert der JMP. Ganz langsam entwickelte sich das atmosphärische Stimmungsbild des programmatisch angelegten Stückes „Eine Steppenskizze aus Mittelasien“ von Alexander Borodin. Dieser hatte sich selbst als „Sonntagskomponist“ bezeichnet, obwohl er gemeinsam mit bekannten Komponisten wie Mussorgski oder Rimski-Korsakow zum sogenannten „Mächtigen Häuflein“ gehörte. Die Charakterisierung als „Sonntagskomponist“ hat einen Grund:
Denn Borodin war eigentlich ein Mediziner und vor allem ein Chemiker. In der russischen Tradition des „Mächtigen Häufleins“ steht auch seine sinfonische Dichtung „Eine Steppenskizze aus Mittelasien“, die Rommelspacher in gewohnt ruhiger Weise dirigierte und dessen wunderschöne Klänge den 22-jährigen Marburger nicht zu theatralischen Gesten verleiteten. Im Mittelpunkt des Abends stand aber das Cellokonzert e-Moll des spätromantischen, englischen Komponisten Edward Elgar, dessen Werk „Pomp & Circumstance March No. 1“ bis heute bei der „Last Night of the Proms“ seine Bedeutung in England belegt.

600 Zuhörer begeistert
Dass Elgar mehr ist als der „Pomp-and-Circumstance“-Komponist zeigt unter anderem das wunderbare Cellokonzert, bei dem die Solistin Bettina Kessler am Cello viele Facetten ihres Könnens zeigen konnte. Sie faszinierte das Publikum mit starkem Griff und kräftigem Strich. Sehr präzise stellte sie die klaren, auf den ersten Blick einfachen Strukturen von Elgars Komposition heraus, für die das Cellokonzert schon bei seiner Premiere 1919 gelobt wurde. Mit großer Sicherheit bewegte sie ihre Finger auf dem Griffbrett und meisterte dabei auch schnelle Läufe, bei denen man ihre Finger aufklopfen hörte.
Immer wieder griff sie ganz tief, so dass das Cello extrem hoch klang und beinahe mit den Geigen mithalten konnte – wie etwa im ersten Satz, auf dessen Höhepunkt das Orchester mit einem imposanten Tutti antwortete. Herrlich war auch der vielseitige vierte Satz des Cellokonzertes, bei dem sie in einen wilden Tanz mit dem Orchester stieg. Die mehr als 600 Zuhörer waren begeistert und bedankten sich mit kräftigem Applaus und viel Jubel für das stimmungsvolle und abwechslungsreiche Programm. Als Zugabe wiederholte das Orchester einen Satz aus der Sibelius-Sinfonie.

von Mareike Bader

OP vom 28.01.2015

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